WGK-Einstufung geändert: Diacrylat wechselt in WGK 3.
Das Umweltbundesamt hat im September 2026 bis zum 25. September neun Allgemeinverfügungen zur WGK-Einstufung bekannt gemacht. Ein Diacrylat steigt von WGK 2 in WGK 3 und wird bei Gemischen mit einem M-Faktor von 10 gerechnet. Wer den Stoff lagert, abfüllt oder verarbeitet, sollte Gemische und Gefährdungsstufe seiner Anlagen prüfen.
Sebastian Dietl, Geschäftsführer SeDi-Tech GmbH · Stand: 25.09.2026
Das Wichtigste in Kürze
- Kenn-Nr. 10941, (Octahydro-4,7-methano-1H-indendiyl)bis(methylen)diacrylat, CAS 42594-17-2: jetzt WGK 3 statt WGK 2, M-Faktor 10 (BAnz AT 22.09.2026 B6).
- Acht Stoffe und Stoffgruppen neu eingestuft, sechs in WGK 1 und zwei in WGK 2 (Bundesanzeiger vom 17., 18., 23., 24. und 25. September 2026).
- Alle Verfügungen werden am 15. Tag nach der Veröffentlichung im Bundesanzeiger wirksam. Für das Diacrylat ergibt das den 7. Oktober 2026.
WGK-Einstufung geändert: Was gilt jetzt für das Diacrylat?
Das UBA hat den Stoff auf Antrag neu bewertet. Grundlage sind nach der Bekanntmachung unter anderem die Gefahrenhinweise H360D (kann das Kind im Mutterleib schädigen) und H410 (sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung). Nach Anlage 1 Nummer 4.2 AwSV bringen diese beiden Hinweise 4 und 8 Bewertungspunkte. In der Summe sind das mehr als 8 Punkte, und damit ist der Stoff nach Nummer 4.4 in WGK 3 einzustufen. Die bisherige Einstufung in WGK 2 vom 16. Juni 2022 nimmt das UBA für die Zukunft zurück. In der UBA-Datenbank Rigoletto steht für den Stoff zusätzlich ein M-Faktor von 10.
Wen betrifft es?
Alle Betreiber von Anlagen nach der AwSV, in denen der Stoff selbst oder ein Gemisch mit diesem Stoff gelagert, abgefüllt, hergestellt, behandelt oder verwendet wird. Die Lieferanten nennen den Stoff meist nicht im Produktnamen, sondern nur in Abschnitt 3 des Sicherheitsdatenblatts.
Was sollten Betriebe jetzt tun?
Checkliste
Vier Schritte nach der Umstufung
Suchen Sie in Ihrem Gefahrstoffkataster und in Abschnitt 3 Ihrer Sicherheitsdatenblätter nach CAS 42594-17-2 oder EG 255-901-3. Ohne vollständig erfasste Inhaltsstoffe ist das Handarbeit, mit einem gepflegten Kataster ist es eine Suchabfrage.
Die WGK eines Gemischs wird aus seinen Bestandteilen berechnet (Anlage 1 Nummer 5.2 AwSV). Ein Gemisch landet in WGK 3, sobald die Stoffe der WGK 3 zusammen 3 Prozent erreichen. Der M-Faktor wird dabei mit dem Anteil multipliziert. Beim Diacrylat mit M-Faktor 10 reichen also schon 0,3 Prozent im Gemisch, damit das ganze Gemisch WGK 3 wird. Nach § 8 Absatz 3 AwSV müssen Sie Ihre Selbsteinstufung von Gemischen auf dem aktuellen Stand halten.
Die Gefährdungsstufe nach § 39 AwSV hängt von Volumen und WGK ab. Ein Beispiel: Ein oberirdisches Fasslager mit 5 m³ flüssigen Stoffen liegt bei WGK 2 in Stufe B, bei WGK 3 in Stufe C. Nach Anlage 5 AwSV braucht eine oberirdische Anlage der Stufe B keine wiederkehrende Prüfung, eine Anlage der Stufe C dagegen alle 5 Jahre. Maßgeblich ist die höchste WGK, wenn ihr Anteil am Gesamtinhalt der Anlage über 3 Prozent liegt (§ 39 Absatz 10 AwSV). Klären Sie mit Ihrem Sachverständigen oder der zuständigen Wasserbehörde, was die neue Stufe für eine bestehende Anlage konkret auslöst.
Zeigt das aktuelle Sicherheitsdatenblatt Ihres Lieferanten schon H360D? Wenn ja, gelten für den Stoff die besonderen Anforderungen der Gefahrstoffverordnung an reproduktionstoxische Stoffe, und die Betriebsanweisung muss das abbilden. Fordern Sie ein aktualisiertes Datenblatt an, wenn die Einstufung dort noch fehlt.
Quellen: Bundesanzeiger, BAnz AT 22.09.2026 B6, Rigoletto Kenn-Nr. 10941, AwSV Anlage 1, § 39 AwSV, Anlage 5 AwSV, § 8 AwSV
Weitere Änderungen: neu eingestufte Stoffe
Diese Stoffe hatten bisher keine veröffentlichte Einstufung. Solche Stoffe gelten laut UBA vorsorglich als stark wassergefährdend (WGK 3), solange sie nicht über eine Stoffgruppe erfasst sind. Mit der neuen Einstufung können Betreiber jetzt mit einer niedrigeren WGK rechnen.
| Kenn-Nr. | Stoff | WGK | Fundstelle |
|---|---|---|---|
| 11644 | 1-Amino-4-(ethylamino)-9,10-dihydro-9,10-dioxo-2-anthracencarbonitril (CAS 62570-50-7) | 1 | BAnz AT 17.09.2026 B4 |
| 11659 | Stoffgruppe β-Alanin, N-(2-Carboxyethyl)-N-Kokos-alkylderivate, Natrium- und Kaliumsalze | 1 | BAnz AT 17.09.2026 B5 |
| 11583 | Reaktionsprodukte aus Pentaerythrit und Epichlorhydrin, Ester mit Acrylsäure (mittlere Molmasse ≤ 1019 g/mol) | 1 | BAnz AT 18.09.2026 B5 |
| 11588 | 2,2,4,4,6,6-Hexamethylcyclotrisilazan (CAS 1009-93-4) | 2 | BAnz AT 18.09.2026 B6 |
| 11640 | Zinksulfid, Aluminium- und Kupfer-dotiert | 1 | BAnz AT 23.09.2026 B7 |
| 11627 | 2-(Trifluormethyl)benzamid | 1 | BAnz AT 24.09.2026 B6 |
| 11643 | Barium-Calcium-Europium-Strontium-Silikat | 1 | BAnz AT 24.09.2026 B7 |
| 11647 | Cer-Yttrium-Oxid-Silikat | 2 | BAnz AT 25.09.2026 B4 |
Was das für Ihren Betrieb bedeutet
Eine WGK-Änderung sieht nach einer Zeile im Bundesanzeiger aus. Im Betrieb zieht sie aber eine Kette nach sich: Stoff finden, Gemische neu rechnen, Gefährdungsstufe prüfen, Datenblatt und Betriebsanweisung abgleichen. Wie schnell das geht, hängt davon ab, ob Ihr Gefahrstoffkataster Inhaltsstoffe mit CAS-Nummer und die WGK je Produkt führt. Die Lagerklasse nach TRGS 510 ist davon getrennt zu betrachten. Sie lässt sich mit dem kostenlosen Lagerklassen-Rechner ermitteln.
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Beim Gefahrstoffmanagement von SeDi-Tech erfassen wir Ihre Sicherheitsdatenblätter vollständig im Kataster und pflegen die Dokumentation fortlaufend weiter. Wer noch kein Kataster hat, kann es erstellen lassen.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die veröffentlichten Fassungen der Vorschriften.
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